16
Sep

Digitales Doppelleben vs. Die kleinen Dinge

Seit diesem Sommer habe ich mich erstmals freiwillig in die Sonne gelegt. Ein Rekord! Sonst musste ich immer daran erinnert werden, weg vom Computer, die ach so wichtigen Dinge die ich gerade noch schnell fertig machen wollte, stehen und liegen zu lassen und einfach mal für 20 Minuten Sonne zu tanken. Ich gebe es zu: Es ist ein Sog. Als ich das letzte Mal fast eine Woche ohne Laptop war, weil er seinen Geist aufgegeben hatte, war ich arbeitslos. Dies war eine bittere Erfahrung. Zu realisieren, dass ich sonst nichts hatte.

Eine Yogalehrerin sagte einmal zu mir:“Wenn du immer nur vor dem Bildschirm sitzt, erlebst du nichts.“ Und es stimmt. Da sind keine echten Interaktionen, Web 2.0 hin oder her. Da ist keine echte Emotion von deinem „Gegenüber“.
Es ist eine Parallelwelt. Videos, Internetseite, Blogs, Informationen, es gibt immer mehr und Neues und es ist ja auch wunderbar das Internet nach Lösungen zu durchforsten. Das mag ich sehr. Weil ich mir immer bewusst mache: Alles ist schon da. Ich kann es finden. Wenn nicht in belegten Quellen, dann vielleicht in Erfahrungen von anderen Menschen in irgendwelchen Foren oder persönlichen Blogs.

Wie digital ist Dein Alltag? Wie sehr gleichen wir das aus? Ich liege in der Septembersonne, die noch sehr heiß auf mich niederbrennt und frage mich, warum wir privilegierten, westlichen Menschen so unnachlässig mit unserer Gesundheit, unserer ganzen Lebensführung umgehen.

Abzuschalten fiel mir immer schon schwer. Es gelingt mir immer besser. Jetzt fühle ich mich nicht mehr schuldig, wenn ich mich in die Sonne lege, denn nachher ist sie weg. Geschäftig sein. Atmen in der Sonne. In die Tasten hauen. Die Bergspitzen in der Sonne glänzen sehen. Schnell noch E-Mails beantworten. Eine Biene setzt sich auf meine sonnengebräunte Haut. Soll ich aufstehen, rein gehen, ich könnte doch, ich müsste noch.

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Mal wieder ein Buch in die Hand nehmen und an den Seiten schnuppern.
Einen Streuselzwetschgenkuchen backen.
Einen Wiesenblumenstrauß verschenken.
Ein Gedicht schreiben.
Die Zähne mit links putzen.
Dem/der Liebsten eine Klebezettelbotschaft hinterlassen.
Eine Meditation machen.

Aber wie wir wissen, alles ist Prozess. Und diesen Sommer wollte ich auf einmal mehr Dinge aus eigener Initiative heraus: Auf einen Berg steigen, morgens im Wald laufen und eben mich in die Sonne legen. Und ich bin stolz auf mich. Denn mein Wunsch ist es immer: mit meinem Körper eine gute Kommunikation zu haben.
Wir alle kennen das Problem. Wir wissen, dass… Aber ändern können wir es trotzdem nicht so schnell. Oft ist aus guten Vorsätzen, wenn sie zu abrupt und zu ambitioniert umgesetzt werden, schon bald wieder die Luft raus.
Schöner ist, wenn wir aus einem Gedanken heraus, der in uns von Tag zu Tag wächst, eine Veränderung vornehmen ohne schon wieder zu streng mit sich zu sein. Morgen gehe ich mal morgens laufen, mal sehen wie es sich anfühlt. Oder ich koche mir ganz bewusst etwas Gesundes, mit Liebe und Hingabe und verschlinge es dann nicht vor dem Fernseher. Kleine Dinge sind es, die sich mit unserer Emotion verknüpfen können und irgendwann zu gesunden Selbstläufern werden.
Panta rhei, alles fließt, höre ich Heraklit sagen, klappe meinen Laptop zu und lege mich in die Sonne, einfach weil ich gerade Zeit habe und ich spüre, gerade möchte ich Vitamin D tanken. Es tut mir gut.

In diesem Sinne: Sei gut zu Dir! ❤

#inspirebeinspired

Lissy

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